Projekte

Artistic Projects & Residents

Die internationalen KünstlerInnen von ‘Thinking Together’ sind von Kurator, Dramaturg und Forscher Berno Odo Polzer eingeladen, mit eigenen RESIDENCIES auf dem Osthang Campus für den Zeitraum des Festivals zu leben. Unabhängig – und gleichzeitig situativ mit einbezogen – werden sie zum Thema «Zusammenleben» vor Ort forschen & arbeiten.
Dabei beschäftigten sich die Arbeiten der Künstler, Theoretiker und Aktivistenkollektive auf unterschiedliche Weise mit den Themen des Osthang Projects – der Fokus liegt immer auf einer aktiven Reflexion der historischen Künstlerkolonie Mathildenhöhe sowie der im Format ‘Thinking Together’ thematisierten Fragestellungen. Präsentationen und Interventionen der eingeladenen KünstlerInnen, die jeweils für mehrere Tage anwesend sein werden, tragen zur Belebung des Osthangs und zum Festivalprogramm bei.

Residents

Heath Bunting (Bristol)
«survival skills»

In seinem Workshop ‘Survival Skills’, mit dem Heath Bunting im Rahmen des Osthang Project auf sich verändernde Lebensbedingungen aufmerksam macht, geht es um Überlebenstechniken. Bunting versteht das Projekt als eine Art der Reflexion über die hochtechnisierte und hochmedialisierte Gesellschaft der gegenwart – keine Reflexion in Worten, sondern eine Reflexion in Taten. ‘Survival Skills’ findet in den umliegenden Wäldern der Mathildenhöhe und Darmstadt statt und richtet sich an all jene, die einen Tag in Begleitung des Künstlers verbringen und Überlebenstechniken erlernen wollen: essbare Pflanzen finden, Baumhäuser bauen, Jagen und vieles mehr.

Der britische Künstler Heath Bunting befasst sich seit den 1990er Jahren mit Themen der Neuen Medien. Bekanntheit erlangte er insbesondere durch Netzkunst-Arbeiten; so ist er Gründer und Betreiber von ‘irational.org’. Ziel seiner Arbeit ist die Schaffung offener, demokratischer Kommunikationssysteme und sozialer Beziehungen. Seine Arbeiten überschreiten oft die Grenzen herkömmlicher Kategorien, sowohl in der physischen Realität wie im Internet. Mit seiner Online-Arbeit ‘isitors Guide to London’ war Bunting 1997 auf der documenta X vertreten. Bunting lebt in Bristol.

» www.irational.org

Mittwoch, 06.­ bis Freitag, 08.08.2014
» Darmstadt und Umgebung

Valentina Desideri (Amsterdam)
«political therapy»

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‘Political Therapy’ ist ein performatives Format, das die Möglichkeit für intime Gespräche und spekulatives Nachdenken über politische Probleme bereitstellt. Jede Session ist individuell, dauert circa eine Stunde und wird in Form einer konzeptuellen Kartographie dokumentiert. Political Therapy spielt mit dem Format der Therapiesitzung, indem es ein Moment des ‘Heilens’ ins Zentrum des Gesprächs stellt. Trotzdem ist diese performative Praxis nicht darauf aus, Probleme zu lösen, ganz im Gegenteil: jedes Problem wird als Gelegenheit behandelt, um Sprache sich entwickeln zu lassen, Spekulationen entstehen zu lassen und das Politische spürbar zu machen. Es ist eine Art Therapie für jene, die weder geheilt werden müssen noch repariert werden wollen. (Valentina Desideri)
Während der gesamten Dauer von ‘Thinking Together’ wird Valentina Desideri ‘Political Therapy’ auf dem Osthang-Gelände anbieten (bitte um persönliche Anmeldung und Terminvereinbarung). Begleitet wird sie dabei von Prof. Stefano Harney, der während der zehn Tage den Rhythmen und Linien des gemeinsamen Nachdenkens folgend wird, die sich während ‘Thinking Together’ entfalten.

Valentina Desideri wurde am Laban Centre in London in zeitgenössischem Tanz ausgebildet und machte ihren Magister-Abschluss am Sandberg Institut in Amsterdam im Fachbereich ‘Fine Arts’.
Zu ihren aktuellen Arbeitsweisen gehören die ‘Fake-Therapie’ und die ‘Politische Therapie’. Zur Zeit ist sie Co-Organisatorin des Performing Arts Forum in St. Erme, Frankreich. Darüber hinaus schreibt sie Biografien auf der Grundlage von Handlesen.

Donnerstag, 31.07.­ bis Samstag, 09.08.2014
» Osthang-Campus
Um Anmeldung wird gebeten.

» info@osthang-project.org
» Tel. +49 (0) 6151  787 61 80

» www.faketherapy.wordpress.com

Christophe Meierhans (Brüssel)
«some use for your broken clay pots»

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Der Titel ‘Some use for your broken clay pots’ bezieht sich auf das sogenannte Scherbengericht, jenes Wahlsystem im antiken Stadtstaat Athen, mit dem unliebsame oder zu mächtig gewordene Politiker per Abstimmung auf Tonscherben aus dem politischen Leben der Stadt verbannt werden konnten. Meierhans folgt der antiken Form, um das gegenwärtige demokartische System grundsätzlich in Frage zu stellen.
Die Performance, die vom Publikum maßgeblich mitbestimmt wird, ist eine Übung in konstitutioneller Kreativität. Denn das ihr zugrundeliegende ‘Textbuch‘ ist nichts weniger als ein vollständiger Verfassungsentwurf für einen radikal anders gearteten demokratischen Staat, den Meierhans gemeinsam mit Rechtsexperten mehrerer belgischer Universitäten verfasst hat. Der Text gibt einen Überblick über sämtliche Institutionen, Körperschaften, Gesetze und Verfahrensweisen, die für ein neues demokratisches System notwendig sind.
Welche neuen Formen von Bürgerschaft und politischer Subjektivität würden auf Basis neuer konstutioneller Regeln entstehen? Es bleibt ganz der Imagination des Publikums überlassen, wie das Zusammenleben unter anderen konstitutionellen Bedingungen aussehen würde.

Credits:
Konzept, Umsetzung & Performance: Christophe Meierhans | Dramaturgie: Bart Capelle | Konzeptuelle Beratung: Rudi Laermans | Beratungsteam: Anne-Emmanuelle Bourgaux (ULB), Rudi Laermans (KU), Jean-Benoît Pilet (ULB), Dave Sinardet (VUB) | Beratung Verfassungsrecht: Anne-Emmanuelle Bourgaux | Bühnenbild: Sofie Durnez | Konzeption & Graphik Publikation: The Theatre of Operations | Illustration: Nuno Pinto Da Cruz | Koproduktion: Kaaitheater (Brussels), Workspace Brussels, Vooruit Arts Centre (Ghent), Teatro Maria Matos (Lisbon), BIT Teatergarasjen (Bergen), Kunstenfestivaldesarts (Brussels) | Produktion: Mokum | Mit Unterstützung von: the Vlaamse Gemeenschapscommissie & Government of Flanders

Der gebürtige Schweizer Christophe Meierhans ist ein multidisziplinärer Künstler. Als ausgebildeter Komponist umfasst sein Werk Performances, künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum, Video-und Medien-Installationen, Kurzfilme, Publikationen und Musikkompositionen. Seine Arbeiten wurden in Theatern, Kunstzentren, Konzerthallen, Museen und auf Festivals in ganz Europa gezeigt. Meierhans ist Gründungsmitglied des Audio-Performance-Duos Tape That und Mitbegründer des in Brüssel ansässigen Performance-Kollektivs C & H. Sein Kurzfilm ‘Up North Right East Down South Left West’ wurde für das 31. Internationalen Kurzfilmfestival Uppsala sowie für die ExDox Festival, Köln, ausgewählt. Meierhans lebt und arbeitet in Brüssel.

Sonntag, 03.08.2014 | 20.00 Uhr
Performance ‘some use for your broken clay pots’
» Osthang-Campus: Halle

» www.mokum.be/en/artist/Christophe_Meierhans/Some_use_for_your_broken_clay_pots.html
» www.contrepied.de

Ruth Sacks (Johannesburg)
«Art Nouveau From The Outside»

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Ruth Sacks’ work examines historical moments in art, architecture and the applied arts in order to comment on contemporary environments. She works with fictional narratives as a tool for encouraging multiple interpretations of dominant viewpoints and creates new fictions by revising and adapting existing texts and motifs, alongside developing new ones. Throughout her practice, emphasis is placed on the use of typography, design and language systems. During her residency at the Osthang Project, Ruth Sacks will continue her long-term research on Art Nouveau, and the Mathildenhöhe Darmstadt in particular. Next to her involvement in ‘Thinking Together’ activities, she will edit two issues of the ‘Osthang Presse’ publication project.

Under the title «Art Nouveau from the Outside: Nationalism in the Mathildenhöhe Gesamtkunstwerk», Ruth Sacks describes the plans for her research as follows:
„I have been fascinated by Art Nouveau —Jugendstil in Germany— for some years now. I was initially drawn to investigate the style when I lived in Belgium and realized that the time of the movement coincided with King Leopold II’s colonial regime in the Congo. After some research, I found that many classic Art Nouveau buildings were either commissioned directly by the regime or figures associated with it and, consequently, enriched by lucrative business in the colony; money that came at the cost of thousands of Congolese lives. I came to see remaining traces of the style as markers in the contemporary Belgian landscape of a time when the fashionable avant-garde art became entangled with imperialism. With this in mind, I found that re-looking at Art Nouveau language itself revealed certain tendencies that lent themselves to promoting pro-nationalist expansionist outlooks. Within the immersive enclosures of what was then known as the ‘modern’ style, aesthetics from non-western cultures were routinely woven into the greater system of patriotic signs and symbols. Moreover, imagery of an imagined, romantic peasant past were also appropriated to form Utopian visions intended to inspire patriotic pride. Each version of Art Nouveau, from the curvilinear, whiplash effects of the Belgian line or the heavier, more geometric Germanic formations, attempted to forge a style that continued partly imagined regional craft heritage. That is, handcrafts and materials perceived to be traditional were wilfully employed in an attempt to revive a ‘spirit’ of national identity.
In Darmstadt, the Grand Duke of Hessen oversaw the creation of an artists’ colony to this effect. The efforts of architects Joseph Maria Olbrich and Peter Behrens here not only sought to improve German handcraft and national aesthetics by means of their activities, but also to fuse art and life. At a time when cultural innovation was thought to be a tool towards creating a unified German nation, Art Nouveau tendencies strove towards consolidating all the arts. The artist-designers at the Mathildenhöhe conceptualised and constructed living and work spaces in their entirety, from the overall structure to the furniture and cutlery to be used within it. Each individual building that made up the whole were bound in an all-encompassing aesthetic of repeated symbolic motifs and forms as well as principles of structural integrity. Quotidian life was elevated to an aesthetic experience. As with all Art Nouveau works, this vision of harmony was sequestered off from the realities of everyday living for those not fortunate enough to afford its pleasures. Despite an aesthetic emphasis on ‘folk’, German working classes were excluded from the privileged unit of the artistic haven. Residents were creatives who lived alongside and staged exhibitions and events for the cultured elite who funded them. While the foundational principles of the colony’s total environment were to capture the spirit of the age alongside the potential for an exalted status of art in every arena of German culture, the greater German community never entered the ethereal confines of the commune. The effects of living in an environment governed by the rules of “ethical” design, pure in all its denouements, could only be appreciated by a designated few.
While in Mathildenhöhe —a place described by late 19th century travel guides as the most still and dreamy spot in Darmstadt— I am hoping to investigate how these particular articulations of Art Nouveau form came to define patriotic spirit. Accordingly, I hope to draw some conclusions as to what elements of its Utopian vision have (and potentially could be) drawn into form and object-making today.“ (Ruth Sacks, April 2014)

Ruth Sacks is a South African visual artist who lives and works in Johannesburg. Group exhibitions include: The Global Contemporary at ZKM Centre for Art and Media (Germany, 2011), Performa 09, (USA, 2009), .za at the Palazzo Delle Papesse (Italy, 2008), the 52nd Venice Biennale (Italy, 2007) and the 1st Biennial of the Canaries (Spain, 2006). Recent solo shows have taken place at Musee Jules Verne in Amiens (2013), the Center for Historical Reenactments in Johannesburg (2012) and Extraspazio in Rome (2010). Sacks’ third artist book, Twenty Thousand Leagues Under Seas was launched last year. Her previous books to date are: False Friends (Kunstverein Press, Amsterdam 2010) and An Extended Alphabet (Expodium, Utrecht 2011). She is currently based at the Wits School for Social and Economic Research (WiSER), where she is a doctoral fellow. Sacks was one of the facilitators of the collaborative arts platform, the Parking Gallery, hosted by the Visual Arts Network of South Africa (VANSA) in 2012/2013. She is a laureate of the Higher Institute for Fine Art (HISK) in Ghent, Belgium.

Freitag, 01.08.2014 | 20.00 Uhr
» Osthang-Campus: Halle

» www.ruthsacks.net

Sarah Vanhee (Gent)
«lecture for every one Darmstadt»

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«Lecture For Every One» ist keine Show. Es ist ein Eindringling, ein Geschenk, ein gutartiger Virus, der sich in Darmstadt verbreiten wird. Als freundliche Unbekannte dringen die Performancekünstlerinnen Sarah Vanhee und Katja Dreyer in die unterschiedlichsten Versammlungen in Darmstadt ein, sei es in Teammeetings großer Firmen, in Vorlesungen oder in Treffen von kleinen Vereinen und Initiativen. Dort werden sie die Anwesenden mit einer kurzen, höchst persönlichen Lecture überraschen: Sie sprechen über den Zustand unseres Gemeinwesens, über das Zusammenleben und denken über die Kräfte nach, die in unserer fragmentierten Gesellschaft wirken. Dabei stellen sie sich auch die Frage, wie es mit der Lecture gelingen kann, zugleich jeden Einzelnen persönlich und das ganze Kollektiv anzusprechen, und dies gerade nicht mithilfe von Gesetzen, politischen Botschaften, Massenmedien oder Werbung.

Credits:
Konzept & Text: Sarah Vanhee, in Zusammenarbeit mit: Juan Dominguez Rojo, Berno Odo Polzer, Dirk Pauwels & Kristien Van den Brande | Performance Deutsche Fassung: Katja Dreyer | Performance Englische Fassung: Sarah Vanhee | Management Gastgeber & Website Linda Sepp | Danke an Sylvia Freydank, Kerstin Schultz, Thomas Schäfer, Marijke Vandersmissen | Production CAMPO (Ghent) | Koproduktion: Kunstenfestivaldesarts (Brussels) & Frascati Producties (Amsterdam) | Unterstützt von STUK Kunstencentrum (Leuven)

Seit Mai 2013 haben Sarah Vanhee und ihr Team über 150 jener ‘Lecture for Every One‘ realisiert, die zwischen 28. und 30. Juli auch in Darmstadt zu Gast sein wird. Die Interventionen fanden zwischen Göteborg und Lissabon, Helsinki, Wien und Paris an Orten statt, an denen Menschen sich versammeln. In ihrer Lecture-Präsentation wird Sarah Vanhee Erfahrungen und Eindrücke dieses künstlerischen und politischen Prozesses zusammenzufassen und in den Kontext von «Thinking Together» stellen.

In ihrer künstlerischen Arbeit verbindet die Belgierin Sarah Vanhee die Genres Performance, Bildende Kunst und Literatur miteinander. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Kontexten präsentiert, darunter das Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), das De Appel Arts Centre (Amsterdam), das Centre Pompidou (Metz), das Impulstanzfestival (Wien) oder der Mousonturm (Frankfurt). Sie veröffentlichte zwei Bücher mit Onomatopee (Eindhoven) und De Appel (Amsterdam) sowie die Kurzgeschichte ‘TT’ mit Campo (Gent). Ihr Buch ‘The Miraculous Life of Claire C’ ist Teil der Künstler-Roman-Sammlung ‘The Book Lovers’. 2008 war Vanhee als Resident an der Cittadellarte/Fondazione Pistolleto in Biels, Italien. Ihre Arbeit wurde für den Ton Lutz Preis 2007 (lobende Erwähnung), für den Prix Jardin d’ Europe (2010) sowie für den VSCD Mimeprijs 2012 nominiert.

Montag, 28.­ bis Mittwoch, 30.07.2014
» Darmstadt
Donnerstag, 07.08.2014 | 20.00 Uhr  | Lecture Präsentation
» Osthang-Campus: Halle

» www.lectureforerveryone.be
» www.sarahvanhee.com

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Projektinfo

Kategorie

Basisinfos

Für den Zeitraums des Architektursommers sind namhafte, internationale KünstlerInnen von Kurator Berno Odo Polzer eingeladen, auf dem Festivalgelände zu forschen, leben & arbeiten!

Veranstalter

Architektursommer Rhein-Main
Darmstädter Architektursommer
Internationales Musikinstitut Darmstadt (IMD)

Förderer und Sponsoren

Kulturfonds FrankfurtRheinMain
Kulturstiftung des Bundes
Merck’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft e. V.
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Jubilaeumsstiftung der Sparkasse
Nassauische Heimstätte
Festool
Bollinger + Grohmann Ingenieure
HEAG Holding AG
HEAG Kulturfreunde
EAD Darmstadt
Baubuche Pollmeier
Entega HSE
Palaterra
Polifilm
Krinner
HMD Elektrik
DAXL Veranstaltungstechnik
Dachdeckerei Weiler
Hundertmark
alwitra
Held Baustoffe
Gentil
Würth
Caparol
Evonik
Wohrataler

Partner

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DAM Deutsches Architekturmuseum
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